Aus für Leuna Polyamid im Chemiepark
Das Chemieunternehmen im Saalekreis muss den Betrieb einstellen, da Investoren ausbleiben. Hohe Energiekosten und asiatische Konkurrenz belasten den Standort.
Im Chemiepark Leuna steht die Schließung der Anlage von Leuna Polyamid bevor. Da sich kein kaufkräftiger Investor für die Übernahme fand, zieht die Auffanggesellschaft, die gemeinsam von der InfraLeuna GmbH und der Leuna Harze GmbH betrieben wurde, die Konsequenzen aus der monatelangen finanziellen Belastung. Neben ausbleibenden Übernahmeangeboten führten steigende Energiepreise infolge des Konflikts im Iran sowie ein starker Preisdruck durch chinesische Importe zu dieser Entscheidung.
### Abschaltung und Rückbau ab Herbst
Geschäftsführer Martin Naundorf kündigte an, dass die letzten Kundenaufträge bis zum Ende des Monats September abgearbeitet werden. Im Anschluss beginnt das planmäßige Herunterfahren der Produktion, ein technischer Prozess, der etwa zwanzig Tage beansprucht. Nach der vollständigen Entleerung der technischen Anlagen folgt der Rückbau, der nach Einschätzung der Verantwortlichen mehrere Jahre in Anspruch nehmen wird.
Die Einstellung des Betriebs hat mögliche logistische und versorgungstechnische Folgen für andere ansässige Betriebe im Saalekreis. So bezogen Unternehmen bisher wichtige Grundstoffe wie Ammoniak direkt über Leuna Polyamid. Ob alternative Transportwege per Lastkraftwagen wirtschaftlich tragfähig sind, bleibt unklar. Während die Unternehmensführung zum gegenwärtigen Zeitpunkt keinen flächendeckenden Dominoeffekt im Chemiepark erwartet, schließt sie Einschränkungen im Sortiment einzelner Firmen nicht aus.
Die Landesregierung in Sachsen-Anhalt, die während der vorherigen Insolvenz erhebliche finanzielle Mittel zur Absicherung der Infrastruktur bereitgestellt hatte, hat bisher keine neuen Finanzhilfen signalisiert. Aus der Politik, darunter Vertreter der Partei Die Linke, gab es Forderungen nach zeitnahem Eingreifen, um weitergehende wirtschaftliche Belastungen für die gesamte Region abzuwenden.