Commerzbank-Aktien: Aufsichtsrat fordert Verbleib des Bundes
Angesichts der Übernahmebestrebungen durch die italienische Unicredit plädiert Commerzbank-Aufsichtsratschef Jens Weidmann für einen vorläufigen Verbleib des Bundes als Aktionär.
In der aktuellen Phase der Auseinandersetzungen um die Zukunft der Commerzbank sieht der Aufsichtsratsvorsitzende Jens Weidmann den Bund in der Pflicht, seine Rolle als Aktionär beizubehalten. Zwar sei die Beteiligung ursprünglich als Instrument zur Rettung während der Finanzkrise ins Leben gerufen worden und ein perspektivischer Rückzug grundsätzlich vorgesehen, wie Weidmann gegenüber der Süddeutschen Zeitung äußerte. Dennoch diene der fortbestehende staatliche Anteil derzeit dazu, die Interessen des deutschen Bankenstandorts gegenüber den Avancen der italienischen Unicredit abzusichern.
Die Unicredit hält gegenwärtig rund zwölf Prozent der Anteile, während der Bund ebenfalls etwa zwölf Prozent besitzt und damit als zweitgrößter Anteilseigner agiert. Das im Mai unterbreitete Angebot der italienischen Großbank hatte es dieser ermöglicht, den Zugriff auf knapp die Hälfte der Anteile zu sichern. Weidmann kritisierte in diesem Zusammenhang die Rahmenbedingungen des deutschen Übernahmerechts. Da der Großteil der angedienten Aktien von verbundenen Instituten und nicht von breiten Anlegerschichten getragen wurde, konnte nach seiner Einschätzung eine Mehrheit ohne adäquate Kontrollprämie erreicht werden. Der Gesetzgeber müsse diese Mechanismen überprüfen.
Zudem äußerte der Aufsichtsratschef Bedenken hinsichtlich möglicher Restrukturierungen. Sollten die von Unicredit avisierten Kosteneinsparungen in Höhe von 1,3 Milliarden Euro innerhalb eines Jahres umgesetzt werden, drohten drastische Einschnitte, von denen auch der Heimatmarkt in Deutschland massiv betroffen wäre. Bislang lehnt die Bundesregierung eine vollständige Veräußerung ihrer Anteile ab, zeigt sich jedoch laut jüngsten Marktspekulationen unter bestimmten Voraussetzungen gesprächsbereit.