Europas Chip-Zentrum wächst weiter
Die sächsische Halbleiterindustrie verzeichnet mit dem Bau einer neuen Großfabrik durch den Chipkonzern TSMC einen historischen Meilenstein.
In der norddresdner Industrieregion entsteht derzeit das kapitalintensivste Bauvorhaben in der Geschichte des Freistaates Sachsen. Mit einem Investitionsvolumen von zehn Milliarden Euro und einem massiven Einsatz von Arbeitsstunden errichtet der taiwanische Halbleiterhersteller TSMC dort seine erste europäische Produktionsstätte. Das Projekt gilt als geopolitisch bedeutsamer Schritt, um die europäische Versorgungssicherheit mit essenziellen Mikrochips für die Automobilbranche und den Maschinenbau zu stärken.
Die Entwicklung baut auf einem jahrzehntelangen Fundament auf. Nach der politischen Wende im Jahr 1994 drohte dem damaligen Kombinat Robotron das Aus. Durch strategische Weichenstellungen der sächsischen Landespolitik und gezielte staatliche Finanzhilfen für Unternehmen wie Siemens und AMD gelang in den folgenden Jahrzehnten der Aufbau des sogenannten Silicon Saxony. Aus ehemals überschaubaren Anfängen entwickelte sich ein dynamisches Cluster mit mittlerweile rund 82.500 Beschäftigten in der Region an der Elbe.
Das Vorhaben verdeutlicht die Bedeutung langfristiger Industriepolitik und regionaler Kooperationen. Während etablierte westdeutsche Wirtschaftsstandorte zunehmend unter Anpassungsdruck geraten, gilt das sächsische Halbleitercluster im innerdeutschen Vergleich als beispielhaft für einen erfolgreichen Strukturwandel nach der Wiedervereinigung.