Niedrigwasser belastet deutsche Wirtschaft
Anhaltende Hitze und sinkende Pegelstände gefährden im laufenden Jahr das wirtschaftliche Wachstum in Deutschland spürbar.
Die anhaltende Trockenheit und extreme Hitze entwickeln sich zu einer ernsthaften Belastungsprobe für die deutsche Wirtschaft. Aktuellen Schätzungen des Instituts der deutschen Wirtschaft zufolge könnten das niedrige Wasser in den Flüssen sowie gestörte Lieferketten das hiesige Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr um bis zu 0,4 Prozentpunkte mindern. Andere Ökonomen beziffern diesen Dämpfer auf rund 0,2 Prozentpunkte. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft errechnete allein für das dritte Quartal einen potenziellen Wertschöpfungsausfall von bis zu zwei Milliarden Euro.
Besonders energieintensive Branchen und die Industrie stehen vor enormen logistischen Hürden. Der Gütertransport auf dem Wasserweg ist durch die stark gesunkenen Pegelstände massiv eingeschränkt. Führende Binnenschifffahrtsgesellschaften berichten, dass Frachter teilweise nur noch einen Bruchteil ihres gewohnten Volumens laden können. Große Konzerne, die auf den Schiffstransport von Rohstoffen wie Kohle und Erz angewiesen sind, mussten bereits reagieren. Da klassische Schubschiffe aufgrund des zu geringen Tiefgangs nicht mehr eingesetzt werden können, mieten betroffene Unternehmen flachgehendere Schiffe an oder passen ihre Produktion vorsorglich an. Taskforces überwachen kontinuierlich die Pegel, während parallel geprüft wird, in welchem Umfang auf den Straßenverkehr ausgewichen werden kann.
Ein Umstieg auf den Lastkraftwagen gestaltet sich jedoch schwierig. Die Speditionsbranche leidet bereits unter einem gravierenden Mangel an Fahrern, der sich auf Hunderttausende offene Stellen beläuft. Zwar treiben Hersteller die Entwicklung autonomer Lkw voran, und erste Pilotprojekte verlaufen erfolgreich, doch fordern Branchenvertreter vor allem verlässliche Rahmenbedingungen von der Politik, um diese Technologien wirtschaftlich skalierbar einzusetzen.
Neben der Logistik sind auch die Energieerzeugung und die Kühlung industrieller Anlagen von der sommerlichen Hitze betroffen. Thermische Kraftwerke stoßen bei hohen Wassertemperaturen und geringen Durchflussmengen an ihre Grenzen, während in anderen europäischen Staaten auch Atomkraftwerke ihre Leistung drosseln mussten. Für die Gesamtwirtschaft zeigt sich damit die dringende Notwendigkeit, Logistikketten und Produktionsprozesse langfristig widerstandsfähiger gegen klimabedingte Extremwetter zu gestalten.