Übernahmeofferte für Spezialchemiekonzern
BASF strebt die Übernahme des Konkurrenten Evonik an. Das erste Angebot wurde jedoch als zu gering eingestuft.
In der deutschen Chemiebranche sorgt eine mögliche Milliardenübernahme für Gesprächsstoff. Der Branchenprimus BASF hat dem Essener Spezialchemiekonzern Evonik ein freiwilliges öffentliches Angebot für sämtliche Unternehmensanteile unterbreitet. Die Offerte beziffert den Gesamtwert des Zielkonzerns inklusive der Verbindlichkeiten auf rund 14,2 Milliarden Euro, was einem anteiligen Aktienkurs von 22,15 Euro entspricht. Damit liegt der Vorschlag um knapp 29 Prozent über dem Börsenkurs vor dem Bekanntwerden der Gespräche.
Das Führungsgremium von Evonik lehnte das Initialangebot umgehend als unzureichend ab, um offizielle Verhandlungen aufzunehmen. Dennoch bestätigten beide Konzerne am Freitag die Kontaktaufnahme, wobei zum jetzigen Zeitpunkt keine direkten Unterredungen stattfinden. Eine zentrale Rolle bei den weiteren Schritten nimmt die RAG-Stiftung ein, die als Hauptaktionärin knapp 44 Prozent der Anteile hält. Die Stiftung, deren Kuratorium hochrangige Bundes- und Landespolitiker sowie Vertreter von Arbeitnehmerorganisationen angeht, äußerte sich bisher nicht zu inhaltlichen Details.
Kritische Stimmen zu den Sondierungen kommen unter anderem aus der Chemiegewerkschaft IGBCE. Vertreter der Arbeitnehmerseite betonen, dass eine bloße Vergrößerung der Unternehmensstruktur keinen automatischen Mehrwert für Belegschaften, regionale Standorte und die heimische Wertschöpfung darstellt. Angesichts laufender Restrukturierungsprozesse in beiden Unternehmen fordern Gewerkschaftsvertreter verbindliche Investitionszusagen und klare Zukunftsperspektiven anstelle reiner Konsolidierungsschritte.