Holzbasierte Chemieproduktion in Leuna angelaufen
Der finnische Konzern UPM hat im Chemiepark Leuna eine neuartige Bio-Raffinerie in Betrieb genommen. Mit einer Investition von 1,3 Milliarden Euro entsteht dort Chemie aus regionalem Holz.
Im Chemiepark Leuna hat der Papier- und Holzkonzern UPM die Produktion einer großtechnischen Anlage zur Herstellung biobasierter Chemie aufgenommen. Auf einer Fläche von 15 Hektar verarbeitet das Unternehmen seit Kurzem Buchenholz aus den Wäldern Thüringens und Sachsens, um Rohstoffe für die Industrie zu gewinnen. Die Inbetriebnahme markiert nach Angaben von Infraleuna-Geschäftsführer Christof Günther die größte industrielle Investition der vergangenen Jahre in der deutschen Chemiebranche.
Das Konzept sieht vor, das angelieferte Rundholz in einer integrierten Anlage mechanisch zu zerkleinern und mittels Enzymen sowie hohem Energieeinsatz in seine molekularen Bestandteile zu zerlegen. Die Fabrik erzeugt Glykole für Kühlmittel und PET-Flaschen, Zuckerverbindungen für diverse industrielle Prozesse sowie ligninbasierte Füllstoffe, die unter anderem in der Kautschuk- und Reifenindustrie Anwendung finden. Bislang deckten petrochemische Verfahren auf Basis von Erdöl und Erdgas den Bedarf an diesen Substanzen.
Mit dem Projekt reagiert UPM auf die rückläufige Nachfrage in der klassischen Papierindustrie und erschließt neue Märkte. Die Gesamtkosten für den Bau beliefen sich auf 1,3 Milliarden Euro und lagen damit doppelt so hoch wie die ursprüngliche Kalkulation. Nach vollständiger Auslastung der Kapazitäten wird der Konzern zum größten Energieabnehmer im Chemiepark Leuna aufsteigen. Experten bewerten die Ansiedlung als Initialzündung für einen neuen industriellen Stoffverbund, betonen jedoch, dass biobasierte Produkte im Vergleich zu fossilen Pendants gegenwärtig noch höhere Herstellungskosten aufweisen.