Land übernimmt Stilllegung von Leuna Polyamid
Nach der Insolvenz der Leuna Polyamid GmbH greift das Land Sachsen-Anhalt ein, um den geordneten und sicheren Stopp der Chemieanlagen im Saalekreis zu finanzieren.
Das Wirtschaftsgeschehen im Saalekreis verzeichnet einen kritischen Eingriff in der Chemieindustrie. Kurz nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens für die Leuna Polyamid GmbH übernimmt das Bundesland Sachsen-Anhalt die finanzielle Verantwortung für das Herunterfahren der Produktionsstätten im Chemiepark. Diese Maßnahme erfolgt im Rahmen einer gesetzlichen Ersatzvornahme zur Gefahrenabwehr, wie das zuständige Umweltministerium verlauten ließ.
Bereits im September hatte das Landesverwaltungsamt eine Verfügung erlassen, die den Betrieb zu einem kontrollierten Stopp verpflichtete. Auf den betroffenen Flächen wurden bislang neben Kunststoffen und Düngemitteln auch Ammoniak gelagert. Wegen dieser Stoffe birgt ein unkontrolliertes Abschalten erhebliche Risiken für die öffentliche Sicherheit und die Umwelt. Da das betroffene Unternehmen jedoch über keine finanziellen Mittel mehr verfügt und der Insolvenzverwalter die Anlagen vermögenslos aus der Insolvenzmasse freigesetzt hat, musste die öffentliche Hand eingreifen.
Im Frühjahr hatten Experten den finanziellen Aufwand für einen gefahrlosen Abfahrbetrieb auf einen zweistelligen Millionenbetrag beziffert. Wie hoch die endgültigen Ausgaben für die öffentliche Hand tatsächlich sein werden, lässt sich gegenwärtig noch nicht präzise beziffern. Die Gesamtsumme hängt von verschiedenen Faktoren wie dem zeitlichen Umfang des Abfahrprozesses, dem Einsatz von Schichtdiensten und dem Verbleib von Reststoffen in den Rohrleitungen ab. Das Land plant, die aufgewendeten Summen im weiteren Verlauf des Insolvenzverfahrens geltend zu machen, wobei der Erfolg dieser Rückforderung derzeit völlig offen ist.