Produktivitätsschwäche bremst den wirtschaftlichen Wohlstand
Das sinkende Produktivitätswachstum alarmiert Experten und wirft Fragen über die Qualität von Arbeitsplätzen im Land auf.
Die wirtschaftliche Dynamik in Deutschland hat in den vergangenen Jahren spürbar nachgelassen. Um den aktuellen Wohlstand langfristig abzusichern, sehen Experten dringenden Handlungsbedarf bei Investitionen und strukturellen Rahmenbedingungen. Im Zeitraum der letzten sechs Jahre sank das jährliche Wachstum der Arbeitsproduktivität im Durchschnitt auf ein Niveau von lediglich 0,3 Prozent. Zum Vergleich: In den 1980er- und 1990er-Jahren legte dieser Wert noch um rund zwei Prozent jährlich zu.
Analysen der Stiftung Familienunternehmen zufolge blockieren vor allem drei zentrale Faktoren eine positivere Entwicklung. Einerseits bleiben die erhofften Effekte der Digitalisierung hinter den Erwartungen zurück, während bahnbrechende technologische Innovationen ausbleiben. Andererseits reagieren Unternehmen auf den demografischen Fachkräftemangel mit Personalvorratshaltung, obwohl die Auslastung zeitweise gering ist. Zudem bremsen unzureichende Investitionen in Sachkapital, Maschinen und Infrastruktur das Tempo.
Parallel dazu wird in Fachkreisen debattiert, ob sich die Wirtschaft ineffiziente und administrative Strukturen leistet. Kritiker verweisen darauf, dass in den vergangenen Jahren überproportional viele Stellen entstanden sind, die primär mit Berichtspflichten, Regularien und der Umsetzung von Gesetzen betraut sind. Diese Tätigkeiten tragen nach Einschätzung von Ökonomen kaum zur direkten wirtschaftlichen Wertschöpfung bei.
Vertreter der Wirtschaft betonen jedoch, dass die Verantwortung dafür nicht bei den Beschäftigten liegt. Vielmehr überlasteten bürokratische Vorgaben die Arbeitskräfte mit Aufgaben, deren gesellschaftlicher Nutzen hinterfragenswert sei. Zwar existieren politische Initiativen zum Bürokratieabbau, doch aus Sicht der Betriebe verlaufen diese Prozesse zu schleppend im internationalen Vergleich.