Wirtschaft beklagt Regierungsarbeit
Eine aktuelle Erhebung offenbart ein historisch schlechtes Vertrauen der deutschen Wirtschaft in die Bundespolitik. Vor allem Regulierung und Kosten belasten den Standort.
Das Vertrauen der Unternehmen in die Bundesregierung hat einen neuen Tiefpunkt erreicht. Laut einer Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Forsa für die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, deren Ergebnisse vorab bekannt wurden, bewerten mittlerweile 89 Prozent der befragten Firmen die Leistung der Regierung negativ. Besonders drastisch fällt das Urteil im Bereich der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik aus, wo der Unzufriedenheitswert bei 91 Prozent liegt.
Im Fokus der Kritik stehen vor allem strukturelle Standortfaktoren und finanzielle Belastungen. Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger warnte im Vorfeld des Deutschen Arbeitgebertags im Oktober vor drastischen Folgen steigender Sozialabgaben. Ein Anstieg der Beiträge auf 45 Prozent des Bruttolohns gefährde die Wettbewerbsfähigkeit massiv, da das aktuelle Niveau von rund 43 Prozent bereits zu hoch ausfalle.
Als größte Belastung für den Betriebsablauf empfinden die Unternehmen nach wie vor bürokratische Hürden. 86 Prozent der Betriebe stufen übermäßige Regulierungen als zentrales Problem ein. Zudem wächst die Verunsicherung über politische Richtungsentscheidungen, die von 76 Prozent der Umfrageteilnehmer als Hemmnis genannt wird. Während die Sorge vor dem Fachkräftemangel im Zuge konjunktureller Bremsspuren in einigen Industriebranchen leicht zurückgegangen ist und nun 61 Prozent betrifft, bleibt die eigene wirtschaftliche Lage vielerorts angespannt. Lediglich 63 Prozent der Unternehmen stufen ihre aktuelle Situation als gut ein, wobei insbesondere Industrie, Handel und Gastgewerbe unterdurchschnittliche Werte verzeichnen. Wirtschaftliche Akteure fordern von der Politik dringend Entlastungen bei den Lohnnebenkosten sowie spürbare Reformen zur Flexibilisierung des Arbeitsrechts.