Bund plant Raffineriestrategie zur Sicherung heimischer Standorte
Mit einem breit angelegten Dialog will das Bundeswirtschaftsministerium die Zukunft der deutschen Raffinerien absichern und den ökologischen Umbau begleiten.
In Berlin hat das Bundeswirtschaftsministerium am Freitag Gespräche mit Vertretern der Mineralölwirtschaft begonnen, um eine langfristige Raffineriestrategie auf den Weg zu bringen. Das Vorhaben sieht vor, neben der Ölbranche auch Bundesländer, Gewerkschaften sowie angrenzende Industriezweige einzubinden. Ziel des Prozesses ist es, die bestehenden Kapazitäten im Land zu erhalten und gleichzeitig den industriellen Übergang hin zu klimafreundlicheren Energieträgern zu unterstützen.
Das Ministerium unterstreicht die volkswirtschaftliche Bedeutung der insgesamt elf deutschen Raffineriestandorte. Diese verfügen über eine jährliche Verarbeitungskapazität von rund 92 Millionen Tonnen Rohöl. Neben Treibstoffen wie Benzin und Diesel erzeugen die Betriebe unverzichtbare Grundstoffe für die Chemie- und Pharmaindustrie. Ein Wegfall dieser heimischen Produktion ließe sich durch Importe nicht kompensieren, was insbesondere die chemische Industrie an ihren Standorten gefährden und zu Abwanderungen führen könnte.
Die Branche sieht sich gegenwärtig mit erheblichem strukturellem Druck konfrontiert. Um die Anlagen schrittweise auf nachhaltige Rohstoffe umzustellen, sind nach Einschätzung des Ministeriums Investitionen in Milliardenhöhe notwendig. Aktuell verzeichnete das Statistische Bundesamt für das erste Halbjahr steigende Produktionsmengen bei Kraftstoffen. So legte die Herstellung von Motoren- und Flugbenzin um 1,8 Prozent auf 11,0 Millionen Tonnen zu, während die Dieselproduktion um 9,4 Prozent auf 15,8 Millionen Tonnen stieg. Gleichzeitig sanken die deutschen Kraftstoffimporte im selben Zeitraum spürbar. Nach Abschluss des Konsultationsprozesses soll die erarbeitete Raffineriestrategie dem Kabinett vorgelegt werden.